Stammtisch Grundwissen: das Messer

Am Anfang war die Männerfreundschaft, dann das Lagerfeuer und spätestens danach das Messer. Es gibt wenige materielle Ersatzkumpels, die uns Jungs aus historischer Sicht länger begleiten als das Messer. Es gilt als eines der wichtigsten Werkzeuge des Menschen, dicht gefolgt vom Akkuschrauber. Selbst klappbare Ausführungen wurden bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. von den Kelten eingesetzt, bei stehenden Klingen befinden wir uns schon weit in der Altsteinzeit. Es gibt somit keinen Grund, sich nicht etwas näher mit unserem alltäglichen Begleiter auseinander zu setzen.

Bowiemesser

Stichwort stehende Klinge: natürlich können wir an dieser Stelle nur die Oberfläche des Themas anschneiden, wissen sollte man jedoch den Namen des Messers, welches John J. Rambo und Crocodile Dundee bei sich bzw. zwischen den Zähnen tragen: das Bowiemesser. Benannt nach James „Jim“ Bowie, einem Hitzkopf aus Louisiana, der mit seinem Messer 1827 in einem größer angelegtem Streit (15 Personen) wohl eine beeindruckende Performance abgelegt haben muss, zeichnet es sich vor allem durch die recht lange Klinge (mindestens 15cm) aus, die im letzten Drittel markant geschwungen und angeschliffen ist.

Klappmesser

Wer für den täglichen Bedarf auf die opulenten Abmessungen des Bowiemessers verzichten möchte, greift naheliegend zum Klappmesser bzw. Taschenmesser. Dessen Klinge lässt sich wie der Name vermuten lässt für den gefahrlosen Transport in die Fuge des „Heftes“ (Griffstück) klappen. Klappmesser werden nach Art der Verriegelung (Schwenkerlmesser und Rutschgelenkmesser) sowie der zur Öffnung benötigten Anzahl der Hände (Einhandmesser, Zweihandmesser) unterteilt.

Das älteste entdeckte Klappmesser wird aktuell den Kelten zugeschrieben, die Römer waren große Fans des Bronze-Taschenmessers und die ersten Holzgriffe wurden bei Bauernmessern im Mittelalter verwendet. Style-technisch sollte jedoch das andalusische Navaja (16. Jahrhundert) einer der größten Taschenmesser Influencer werden. Aus ihm entwickelte sich in Südfrankreich das Laguiole-Messer, gefolgt vom weltweit bekannten, ebenfalls aus Frankreich stammenden Opinel. Letzteres wurde seit 1890 in Funktion und Form kaum verändert, was es heute zum einem der bekanntesten Messer-Klassiker überhaupt macht.

Betrachtet man die „Messer-Neuzeit“ kommt man nur schwer um das EDC „Everyday Carry“ Phänomen herum, dessen heimlicher Pflichtbestandteil ein Klappmesser ist. Insbesondere Brands wie The James Brand oder KIZER bringen hier aktuell unglaublich viel Style in die oftmals angestaubten Messer-Designs.

Das Schweizer Taschenmesser

Es ist der Inbegriff des Taschenmessers und dies obwohl es hinsichtlich Funktionalität deutlich über ein Messer hinaus geht: das Schweizer Offiziersmesser aka Schweizermesser oder auch Sackmesser (von «Hosensack», der Schweizer Bezeichnung für Hosentasche). Ursprünglich als leichtes Werkzeug für die Schweizer Armee entwickelt, sollte es jeden Soldaten für die im Felde anfallenden Aufgaben ausrüsten. Es liegt nahe, das auch der Wanderer schnell gefallen an dem guten Stück finden sollte. Es ist heute das meistverkaufte und bekannteste Taschenmesser. Zwei Unternehmen aus der Schweiz gelten als Hersteller des originalen Schweizermesser: Victorinox und Wenger. Letzterer wurde 2005 von Ersterem gekauft, somit ist die Auswahl mittlerweile leicht zu treffen, möchte man das Original mit sich führen. Etwas frischen Wind in den Hosensack brachte 2005 der Schweizer Uhrenhersteller SWIZA, der eine Neuinterpretation des Schweizer Taschenmessers auf den Markt brachte und damit diverse Designpreise einsammelte.